„Mit uns gehört der Energiemarkt allen“

Thorsten Zoerner ist überzeugt, dass der Strom-Markt neu gedacht werden muss. Aus einem ehemals zentral gesteuerten Produkt ist ein dezentraler Markt mit vielen aktiven Teilnehmenden geworden. Der 45-jährige Geschäftsführer der Stromdao GmbH hat uns in der protecoSKYLOUNGE erklärt, warum das aktuelle Versorgungssystem nicht zukunftsfähig bleiben wird und wie Unternehmen jetzt schon vorsorgen können.

 

Thorsten Zoerner im Gespräch mit Sabrina Harper

Stromdao – der Name steht für Strom – dezentral, autonom und organisieren. Das ist quasi der Ursprungsgedanke hinter dem Startup, oder?

Thorsten: Genau. Denn in der Stromversorgung hat sich vieles verändert. Was früher auf Stadtebene war, macht ein Haushalt nun allein. Innerhalb eines Hauses oder einer Wohnung wird Strom aus externer und/oder interner Produktion konsumiert. Manche sind beim zentralen Stromversorger, andere haben Photovoltaik-Anlagen. Außerdem versorgen Privathaushalte auch andere mit Strom, indem sie beispielsweise Energie ins Netz einspeisen. Wenn man sich das anschaut, bedeutet das: Früher gab es ein zentrales Netzwerk und das hat ein bestimmtes Gebiet versorgt, also alles war monodirektional. Heutzutage wird Strom aus verschiedenen Quellen konsumiert und gleichzeitig ist ein Teil der Kundschaft auch Produzent*in geworden. Privathaushalte treffen also ihre eigenen Entscheidungen. Die Sinnhaftigkeit einer zentralen Sammelstelle für Strom ist weggefallen, weil wir viele autonom Handelnde haben.

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Das Team von Stromdao stellt die Spielregeln im Markt neu auf.

Menschen, die in einer Mietwohnung leben, haben bisher meist keine eigene Solaranlage, kein Wasserkraftwerk oder ähnliches. Was ist mit diesen Leuten?

Thorsten: Vom aktuellen Strompreis entfallen etwa 4 Cent auf Brennstoffkosten. Wir machen eine direkte Zuordnung zwischen Erzeugungsanlage und Verbrauch. Mieter*innen können also entscheiden, ob sie die 4 Cent einem großen, zentralen Stromversorger zukommen lassen oder Erzeugungsanlagen für Erneuerbare Energien (EE) der Stromdao. Bei letzterem erwirbt die Kundschaft aber nicht nur den Strom, sondern die stromerzeugende Fläche. Das bedeutet: Die Anlage bleibt zwar im Besitz des Betreibers, aber die Erzeugungsfläche geht stückchenweise in den Besitz der Abnehmer*innen über.

Ein ausgeklügeltes System transformiert die Kundschaft des Stromtarifs Corrently …

… vom Endverbauchenden zum Produzierenden.

Warum ist diese Differenzierung wichtig?

Thorsten: Das alles hat große Auswirkungen im Alter. Ein Haus kann man kaufen und abbezahlen. Nebenkosten kann man nicht kaufen und hat dann seine Ruhe. Wer sich fragt: Wird meine Rente reichen, sollte auch über Nebenkosten nachdenken.

Willst du damit sagen: Nebenkosten begünstigen die Altersarmut?

Ja, das kann man so sagen. 40- bis 50-Jährige stellen sich häufig die Frage, wie sie die Nebenkosten senken können. Dann bauen sie eine Photovoltaikanlage oder ein Mini-Block-Heizkraftwerk. Wir schaffen eine Alternative, die ohne große Investitionen Nebenkosten senkt.

Wir haben nun viel über Privathaushalte gesprochen. Welche Bedeutung hat der veränderte Strommarkt für Unternehmen?

Thorsten: Durch eine smarte Organisation können Unternehmen absolut profitieren. Aktuell arbeiten wir zum Beispiel mit einem Stahlwerk zusammen. Die Härtung des Produkts ist mit einem hohen Energieaufwand verbunden. Wir dokumentieren, wann hohe Energiespitzen sind und arbeiten dann mit einem Ampelsystem. Unternehmen können dann Arbeitsschritte mit viel Energie in Zeitschienen legen, in denen viel grüne Energie verfügbar ist.

Einfach online prüfen, wann der Strom aus der Region stammt …

… und damit tatsächlich von nachhaltigen Energien profitieren.

Als Kind sagten meine Eltern zu mir, Geräte werden nachts geladen. Damals gab es noch einen Nachtstromtarif. Kann ich mir das Ampelsystem von euch so vorstellen?

Thorsten: In etwa. Statt lade nachts, würden wir heute sagen: ‚Benutze deine Geräte, wenn der Strom grün ist‘. Bei Photovoltaikanlagen wäre mittags wohl smarter als nachts (lacht). Wetterdaten erlauben es uns heutzutage ziemlich gut einzuschätzen, wann wir Sonnenschein oder viel Wind haben. Konkret kann man so eine gute Wochen- oder Monatsplanung erstellen.

Was sind drei Kernvorteile für eine nachhaltige Stromnutzung?

Thorsten: Unternehmen sparen Treibhausgase ein, indem sie regionalen Strom aus alternativen Energien nutzen. Durch die Erhebung der Verbrauchsdaten sehen Unternehmen, wo sie viel Strom verbrauchen und wie sie optimieren können. Viele sind überrascht, welche Einsparungen durch ein smartes Energiemanagement möglich sind.

Perspektivisch wird in Deutschland auch die Nachweisbarkeit der Nachhaltigkeitsstrategie eine Rolle spielen. Wohin das gehen könnte, sieht man bereits in den USA. Bisher haben viele Unternehmen in Deutschland entweder kaum Daten erhoben oder speichern einen Datenberg ab. Beides ist nicht zielführend. Wir wollen Unternehmen befähigen, schon jetzt in der Datenlage als auch im Einsatz von grüner Energie zukunftsfähig und damit wettbewerbsfähig zu sein. Dafür braucht es eine Roadmap, die nicht nur den Stromverbrauch betrifft, sondern zum Beispiel auch letztlich Kaufentscheidungen der Kundschaft oder Investor*innen beeinflusst.

Vielen Dank für das Gespräch.

Stromdao kurz & knapp

Ziel: Wir machen aus Strom Klimaschutz mit der digitalen Infrastruktur, die es für die Zukunft braucht.

USP: Die effiziente Kombination aus Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Transparenz und Regionalität.

Der Gründer: Thorsten Zoerner, ist Informatiker, Experte für Computerlinguistik, Programmierer und Pilot. Er arbeitet seit 2007 im Bereich Strommarktdesign, Stromversorgung und erneuerbaren Energien. Er hat bereits acht Bücher veröffentlicht. 2017 gründete er die STROMDAO GmbH, den ersten Ökostromversorger, der seine Kunden bundesweit mit regionalem dezentralem Ökostrom versorgt und ihnen den Aufbau einer Ökostrom-Eigenversorgung ermöglicht.

Auszeichnungen: OK-power-plus Label von dem gemeinnützigen Verein EnergieVision e.V.

Homepage: https://www.stromdao.de/

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